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Trump, AfD, Krise: Der brutale Druck auf Merz. Mit Julia Löhr

Shownotes

Deutschland steckt wirtschaftlich fest. Seit Jahren wächst die Wirtschaft kaum noch, während andere Länder deutlich schneller vorankommen. Gleichzeitig ringt die Bundesregierung um ein großes Reformpaket - bei Rente, Steuern, Gesundheit und Arbeitsmarkt.

Paul Ronzheimer spricht mit der Wirtschaftsjournalistin Julia Löhr aus dem FAZ-Hauptstadtbüro, die Bundeskanzler Friedrich Merz regelmäßig auf Reisen begleitet und die aktuellen Reformverhandlungen seit Monaten beobachtet. Sie hat den G7-Gipfel vor Ort begleitet und erklärt, warum sie das erste Jahr der schwarz-roten Koalition für weitgehend verloren hält, weshalb die Angst vor der AfD wichtige Entscheidungen blockiert und warum Deutschland aus ihrer Sicht vor allem bei Innovation, Bildung und Zukunftstechnologien den Anschluss verloren hat.

Kommt jetzt endlich der große Reformdurchbruch? Oder diskutiert Deutschland weiter über die Verteilung des Wohlstands, während andere Länder die Technologien von morgen entwickeln?

Löhr & Pennekamp, der neue Podcast der F.A.Z. https://www.faz.net/podcasts/loehr-pennekamp/

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Redaktion: Filipp Piatov u. Lieven Jenrich | Executive Producer: Daniel van Moll

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Transkript anzeigen

00:00:00: Das ist natürlich auch unheimlich schwer, da zu manövrieren.

00:00:03: Und letztlich sitzen Union und SPD gleichermaßen sitzt ihnen die AfD im Nacken.

00:00:09: Die beiden Parteien sind im Moment gelähmt vor Angst Auch mit Blick auf die Landtagswahlen, die ja dann am September anstehen Sachsen-Anhalt Mecklenburg-Vorpommern was passiert Wenn die AfD vielleicht womöglich die absolute Mehrheit gewinnt?

00:00:22: Also die Sorge ist enorm groß.

00:00:25: Jetzt los nichts tun, was die Wähler noch mehr zur AfD treinen

00:00:29: könnte.

00:00:31: Wir haben hier wochenlang über die Reform gesprochen, über das was dahinter den Kulissen in der Bundesregierung passiert oder auch nicht passiert und in den letzten Tagen war es erstaunlich ruhig.

00:00:40: Ja ist es G-Sieben aber natürlich interessiert uns Wasfriedrich Merz und Lars Klingball da eigentlich hinter den Kultisten mit allen anderen gerade besprechen.

00:00:50: Nicht viel ist bislang rausgekommen.

00:00:53: wir wollen Aber jetzt noch einmal tiefer einsteigen Mit einer Kollegin die sich sehr gut auskennen Und die vor allem gerade mit dem kanzler unter ist Julia Löhrer.

00:01:02: Sie ist Wirtschaftskorrespondentin im FAZ Hauptstadtbüro in Berlin, sie reist viel mit dem Kanzler und sie hat jetzt einen eigenen Podcast zu wirtschaftspolitischen Themen.

00:01:12: Löhhr und Pennecamp verlinken wie auch nochmal ein Shownotz.

00:01:15: Hallo Julia schön dass du da bist!

00:01:17: Hallo Paul danke für die Einladung.

00:01:19: Julia, wir sprechen am Mittwoch Nachmittag.

00:01:24: oder ist es schon Dienstag?

00:01:25: Oder noch Dienstag nicht.

00:01:26: Es ist Mittwochs.

00:01:27: Ich krieg's manchmal auch durcheinander bei unserer Frequenz hier.

00:01:31: Und du bist in Frankreich, in Evian mit dem Bundeskanzler.

00:01:35: Wie ist das denn momentan wenn man als Journalistin dort mit dem Kanzler verreißt?

00:01:41: Wir haben das hier schon mal beschrieben.

00:01:42: Man ist eben im Flugzeug mit ihm unterwegs.

00:01:44: es gibt Hintergründe.

00:01:46: jetzt ist das Verhältnis Bundeskantler und Preise ja gerade wahrscheinlich nicht das Einfachste.

00:01:50: wie wirkt er denn so?

00:01:52: So gesehen ist dieser Gipfel oder diese Gipfel Reise für ihn ganz dankbar weil Ja, die Flugzeit nach Evion war jetzt sehr kurz zu kurz um einen Hintergrund im Flugzeug zu machen wie das sonst bei Auslandsreisen so üblich ist.

00:02:05: Und diese Gipfel-Taktung führt natürlich auch dazu dass wir als Journalisten ja... Wir sind dabei als Begleitpresse aber letztlich sind wir auch nicht dabei.

00:02:14: also wir verbringen sehr viel Zeit in Shuttlebusen, Insicherheitstracks werden in Pressezelten geparkt.

00:02:21: dann kommt ab und zu jemand aus der Delegation vorbei und brieft, was in den Gesprächen tatsächlich so beredet wird.

00:02:27: Das machen auch alle Delegations-, also die deutsche Seite ebenso wie die französische.

00:02:31: und wenn man dann Kollegen von aus anderen Medien oder... aus dem selben Medien, aus dem anderen Land hat.

00:02:37: Dann gleicht man da so ein bisschen ab, wer hat was erzählt und so baut man sich dann quasi das Bild zusammen.

00:02:42: Was auf dem Gipfel passiert?

00:02:43: Das gibt natürlich auch die Videofeeds von den Szenen vor Ort, die von den Organisatoren eingespielt werden.

00:02:51: aber letztlich sind Journalisten bei diesen Gipfeln mehr als auf anderen Reisen ins Ausland auf Abstand.

00:02:58: Und wie du sagst, das Kanzleramt ist gerade nicht so ganz glücklich.

00:03:02: Wie wir die Arbeit der Bundesregierung so wahrnehmen.

00:03:05: von daher gab es jetzt während dieser Reise wenig Gelegenheit darüber zu sprechen.

00:03:10: Du sagst dass Kanzlaramt gibt's auch eine Regierungssprecher und Mitarbeiter im Kanzularamt.

00:03:15: Fühlen sie sich ungerecht beurteilt?

00:03:18: Ist das dein Eindruck?

00:03:20: Na ja, es klingt schon so durch, dass wir das halt alles sehr kritisch sehen immer auf das Hinweisen was nicht so gut läuft wie lange Prozesse auch dauern und dann wird er noch verwiesen.

00:03:31: Wie schwierig das dann halt mit der SPD ist, wie mühsam es auch ist.

00:03:36: Mit Blick auf die starke AfD, die in Umfragen immer weiter steigt eine Politik zu machen, die jetzt ja erst mal Zumutungen bedeutet.

00:03:46: Es wird jetzt erstmal um Einsparungen gehen, um Leistungen gekürzt werden.

00:03:52: Es ist nicht so ganz klar, wer wird jetzt eigentlich bei einer Steuerreform wirklich entlastet und wer muss mehr zahlen?

00:03:56: Also das sind ja alles keine guten Nachrichten.

00:04:00: Letztlich ist die Botschaft, wir müssen jetzt was tun, was weh tut damit es in fünf, zehn, zwanzig Jahren dann besser läuft und vor allem die Wirtschaft wieder wächst.

00:04:09: aber da ist natürlich alles sehr abstrakt.

00:04:12: Das müsste man mit einer positiven Geschichte verbinden.

00:04:15: Das ist gerade schwer wenn sich die Partner da... in der Koalition auch so verhaken.

00:04:21: Also von daher, ja ist das alles gerade eine etwas schwierige Gemengelage aber ich finde jetzt nicht dass wir zu kritisch sind, wir liegen unseren Finger in die Wunde.

00:04:30: Ich finde Wirtschaftspolitik war noch nie so einfach wie aktuell.

00:04:32: man müsste eigentlich jede Maßnahme die man macht daraufhin abklopfen.

00:04:36: hilft sie dass die Wirtschaft wieder wächst da es wieder mehr Investitionen gibt die Steuereinander steigen es mehr Arbeitskräfte gibt die dann auch Sozialabgaben zahlen und alles, was darauf einzahlt machen.

00:04:48: Und alles, das nicht darauf einzahlt lassen.

00:04:50: Das hat die Regierung leider am ersten Jahr nicht gemacht.

00:04:53: Darauf müssen wir hinweisen – das ist unser Job!

00:04:56: Das ist sehr spannend, was du sagst.

00:04:57: Dass aus deiner Sicht und du bist die Expertin Wirtschaftspolitik so einfach ist wie noch nie!

00:05:03: Warum?

00:05:04: Weil alle sagen ja mein Gottes Willen das ist die schwierigste Lage und was machen wir wie und wo?

00:05:09: und wir kommen gleich auf die einzelnen Reformen.

00:05:11: aber vielleicht erst mal genau dieser generelle Blick.

00:05:15: warum sagst du dass es eigentlich nicht so einfach war?

00:05:18: Naja das lässt sich natürlich jetzt hier auch einer lauschigen Podcast-Kabinen im Medienzentrum auch leicht sagen.

00:05:24: klar ist das Schwierig, das dann zum einen mit dem Koalitionspartner zu besprechen und natürlich auch den Wählern zu vermitteln.

00:05:32: Aber ja nochmal – also Deutschland ist seit zwei Tausend neunzehn unterm Strich quasi nicht mehr gewachsen.

00:05:39: Das sind Null Komma drei Prozentpunkte mehr.

00:05:42: Die amerikanische Wirtschaft ist in der Zeit um ungefähr fünfzehn Prozent gewachsen die chinesische um mehr als dreißig Prozent.

00:05:49: Jetzt kann man sagen, dass in alles abstrakte Zahlen so Wirtschaftswachstum.

00:05:52: Wozu brauchen wir das?

00:05:53: Aber Wirtschaftswachsen heißt halt Wohlstand der Kuchen wird größer die Unternehmen investieren es entstehen Arbeitsplätze Die Menschen können sich mehr leisten die Löhne steigen und also Das ist letztlich das Ziel schlechthin.

00:06:08: oder sollte es sein?

00:06:10: Und aktuell erleben wir halt einfach eine stagnierende Wirtschaft und in einer stagnierenden Wirtschaft nehmen die Verteilungskämpfe zu Und das erleben wir halt gerade.

00:06:18: Also wer muss was abgeben, wer wird wie belastet?

00:06:21: Es geht eigentlich nur noch darum, genau wie verteilt man die Zumutungen und wenn wir wachsen würden, wenn Wirtschaft wachsen würde dann wäre man ja dieses Problem ein Stück weit los weil dann gäbe es halt wieder mehr zu verteilen.

00:06:34: und deswegen finde ich müsste man alles was passiert politisch oder wirtschaftspolitisch grade daraufhin abklopfen nutzt ist der Wirtschaft den Wirtschaftswachstum oder nicht?

00:06:45: Leider ist das schon im Koalitionsvertrag oder schon insondierungspapier nicht gemacht worden.

00:06:51: Im Koalisionsvertrag dann auch nicht, es sind halt sehr viele Wahlgeschenke umgesetzt worden und aus meiner Sicht war das erste Jahr dieser schwarz-roten Koalition ein verlorenes Jahr.

00:07:01: also es wurden zusätzliche Ausgaben im Wert von ungefähr zehn Milliarden Euro beschlossen mit der Rente Gastrosteuersenkung alles Dinge die uns jetzt nicht innovativer wirtschaftlich nicht voranbringen.

00:07:14: Es wurde halt gemacht, um die Wähler glücklich zu machen.

00:07:16: Aber auf lange Sicht reicht sich das

00:07:18: halt.".

00:07:19: Wohin liegt es, dass man das wie du sagst nicht einfach?

00:07:23: Ja klar ist es am Ende dann auch nicht einfach aber.

00:07:26: Dass man's abklopft und sagt okay ja Wirtschaftswachstum muss an Nummer eins eins eins stehen und sonst schauen wir auf eigentlich kaum noch was anderes.

00:07:36: weil Du hast die Zahl angesprochen seit zwanzig neunzehn in einer schweren Krise.

00:07:41: also Was sind die Gründe dafür jetzt?

00:07:43: Jetzt haben ja auch viele In der Vergangenheit als Friedrich Mess noch in der Position war immer wieder gesagt Das ist jemand Versteht, Reform, Wirtschaft.

00:07:52: Warum ist das jetzt wo er Kanzler ist anders?

00:07:55: Kann das und das höre ich auch immer wieder aus der CDU du sagst es ja auch gerade aus dem Umfeld von März da wird immer wieder gesagt Ja die SPD will das ja nicht Die sind ja irgendwie am Ende schuld.

00:08:05: Ist das so einfach?

00:08:06: Nein, so einfach ist es natürlich nicht.

00:08:08: Auch die CDU ist in vielerlei Hinsicht eine Bremse.

00:08:13: Wir erinnern uns an das Thema Rente.

00:08:15: Es gab mal ein Grundsatzprogramm, der CDU war es auf einen Parteitag, zwanzig vierundzwanzig beschlossen wurde.

00:08:21: da steht drin dass das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung angepasst werden sollte.

00:08:26: im Wahlprogramm stand das dann aber nicht mehr.

00:08:28: warum?

00:08:29: weil die Union ebenso wie die SPD vor allem von älteren Wählern gewählt wird Wählern im Renten nahen Alter.

00:08:36: Und so was natürlich dann nicht gut ankommt.

00:08:38: und ja, damit sind wir schon bei all diesen Konflikten ich meine die Union ist halt auch nicht homogen.

00:08:45: Ja es gibt den Wirtschaftsflügel haben die dringend auf niedrigere Steuern insbesondere für die Unternehmen.

00:08:51: Es gibt aber auch den Sozialflüge.

00:08:52: Die sind jetzt zum Beispiel auch da bei also verteidigen eisern, was quasi alles an Sozialleistungen eingeführt wurde in den vergangenen Jahren und wehren sich dagegen Kürzungen.

00:09:03: Also das ist natürlich auch unheimlich schwer da zu manövrieren.

00:09:07: und letztlich sitzen Union- und SPD.

00:09:09: gleichermaßen sitzt ihnen die AfD im Nacken.

00:09:13: Die beiden Parteien sind im Moment gelähmt vor Angst – auch mit Blick auf die Landtagswahlen, die ja dann am September anstehen, Sachsen-Anhalt Mecklenburg-Vorpommern, was passiert wenn die AfD vielleicht womöglich die absolute Mehrheit gewinnt?

00:09:27: Die Sorge ist enorm groß, jetzt bloß nichts tun was die Wähler noch mehr zur AfD treiben könnte.

00:09:33: Aber letztlich macht das halt unsere Probleme dann nur noch schlimmer.

00:09:37: und deswegen ja hoffe ich wirklich sehr dass nach dem Herbst der Reformen und im Winter der Reform und im Frühling der Reform den nicht stattgefunden hat Jetzt wirklich zum ersten Juli den großen Stichtag wenn dann die Koalition vor der Sommerpause Beschlüsse fassen will dass da dann was kommt, also das sie sich dann jetzt wirklich einigen.

00:09:57: Was machen wir mit der Rente?

00:09:58: Was machen die im Bereich Steuern?

00:10:00: Was mache ich noch im Bereich Gesundheit?

00:10:01: Da reicht das, was Nina Wagen vorgestellt hat auch noch nicht aus.

00:10:05: und viertes Thema – was machen wir im Bereich Arbeitsmarkt, Arbeitszeitregelung, Kündigungsschutz?

00:10:10: Auch da bräuchte es mehr Flexibilisierung damit ja die Unternehmen eine bessere Ausgangslage haben ähnlich wie in anderen Ländern.

00:10:20: Wenn wir noch kurz allgemein bleiben, bevor wir auf die einzelnen Punkte kommen und was da möglicherweise auch auf den Einzelnen zukommen könnte.

00:10:29: Diese Partikularinteressen so nenne ich es jetzt mal nicht nur bei CDU und SPD sondern auch bei Gewerkschaft Arbeitgeber in verschiedenen Lobbyverbänden.

00:10:38: Du bist da sehr viel näher dran als viele Wenn du mit denen darüber sprichst, so wie jetzt und sagst naja aber wenn ihr alle auf dem Behard was ihr wollt oder was ihr verteidigt dann wird die Wirtschaft in Deutschland nicht wieder anspringen.

00:10:55: Was antworten die dir denn?

00:10:56: Haben sie den Ernsterlage verstanden oder was treibt die anderen zu sagen ne hier bleibe ich hart.

00:11:02: oder ist das am Ende momentan alles Verhandlungsstrategie?

00:11:05: Die stehen natürlich auch unter Druck also bei den wirtschaftsverbänden die stehenden Unterdruck von ihren Mitgliedern die halt dann sagen, hier verteidigt das und also jetzt im Fall der Wirtschaftsverbände bloß keine höhere Abschaftsteuer.

00:11:17: Bloß keine höheren Spitzensteuersatz oder reichen Steuer weil das trifft eben auch viele Unternehmer, die Einkommenssteuer zahlen müssen umgekehrt die Gewerkschaften.

00:11:26: ich meine Die Mitgliederzahl sinkt aber sie wollen politisch relevant bleiben.

00:11:31: wie macht man das?

00:11:32: Wenn man möglichst hart bleibt wenn man möglichst vehement für die eigenen Interessen kämpft was rausholt Für die eigenen Mitglieder.

00:11:39: Also von daher ist das alles Was wir erleben ist zutiefst menschlich.

00:11:45: Wir haben am Moment mehr zu verlieren als zu gewinnen, also jetzt jeder Einzelne in diesem System.

00:11:52: Das ist halt anders als das hat der März ja auch in der Regierungserklärung so ein bisschen... Ich finde weinerlich was bei den Familienunternehmern, ich bin mir gerade nicht sicher.

00:12:01: Es gab ja eine Reihe von Aufwanderungen.

00:12:02: Familienunternehmers?

00:12:03: Ja,

00:12:03: Familienunternehmen war das glaube ich genau.

00:12:05: und da sagte er es ist halt leichter ein Land nach dem Krieg wieder aufzubauen als quasi an wohlhabendes Land zu reformieren weil natürlich jetzt viele Leute sehr viel zu verlieren haben.

00:12:13: Und die Frage was gewinnen wir eigentlich Die ist im Moment noch so die offene Frage im Raum dafür gibt's halt Gerade keine überzeugende Geschichte oder es müsste sie halt jemand erzählen.

00:12:25: Was macht niemand?

00:12:27: Und das ist halt die große Krux und letztlich müssten sich halt alle gleichzeitig bewegen.

00:12:33: Alle in einem Moment sagen, ja ich gebe hier was zu du gibst da was zu und gemeinsam bewegen wir uns nach vorne aber dass es halt schwierig wenn jeder immer erst mal darauf wartet, dass der andere etwas macht.

00:12:45: Weil du ja fragtest wie sehen sie das?

00:12:47: Es gibt natürlich auch in den Wirtschaftsverbänden und in den Gewerkschaften unterschiedliche Stimmen.

00:12:52: also jetzt Der Arbeitgeberverband, die BDA, die tritt deutlich vordernder auf als jetzt zum Beispiel Peter Leibinger der Präsidenten des Bundesverbands der deutschen Industrie.

00:13:04: Ein Gewerkschafter wie Vassiliades von der IGB CE ist deutlich zurückhaltender als eine Yasmin Fahimi vom DGB.

00:13:13: also auch da gibt es quasi die Hardliner und die mehr konsensorientierten Vertreter.

00:13:19: Und wie ist es?

00:13:21: Jetzt sitzen die ja schon seit Wochen, in Wahrheit ja seit Monaten.

00:13:25: Wenn ich mit Politikern spreche, frage ich immer, worüber redet ihr eigentlich noch immer wieder in eurer Sitzung?

00:13:31: weil diese Reformfragen – wir wissen ja alle im Deville-Borsig – sollte ein sehr viel größeres Paket schon besprochen werden und am Ende hat man sich dann eben nicht einigen können.

00:13:43: also unter Vorgabesrunden und in den Koalitionsverhandlungen gab es Runden vielleicht erst mal Julia genau zu dieser Verfahrensweise, weil ich glaube viele Hörer verstehen das auch nicht.

00:13:53: Die kriegen dann Nachrichten und sehen oh die haben sich wieder am Kanzleramt getroffen und jetzt streiten sie wieder wie viel ist das?

00:14:00: Am Ende irgendwie Strategie.

00:14:02: der eine sagt dass der andere sagt dass wir müssen jetzt irgendwie hier noch Runden haben.

00:14:07: oder ist das in Wahrheit schon alles geklärt?

00:14:10: und wenn nicht warum ist es eigentlich nicht geklärt?

00:14:12: weil Sie hatten doch schon sehr viel Zeit.

00:14:14: Das ist richtig!

00:14:15: Sie hatten schon sehr.

00:14:18: Die Frage ist ja immer, wie verkauft man es den eigenen Leuten?

00:14:22: Und in der Villa Borsig da sind also im Mitte April dieser Koalitionsausschuss.

00:14:28: Da wurde ja schon sehr intensiv dem Vernehmendach über ein Steuerkonzept geredet und was wir dann so gehört haben ist dass die CDU am Ende dann gesagt hat oh nee das kriegen wir so nicht verkauft eben weil es am oberen Ende der Eins kommenskala auch mehr Belastungen bedeutet hätte.

00:14:44: Dann geht's halt wieder an eine neue Schleife.

00:14:47: letztlich braucht es eben ein Paket, bei dem niemand das Gefühl hat dass er dabei zu kurz kommt.

00:14:55: Aber das

00:14:55: ist so unmöglich oder?

00:14:57: Und das ist halt ja es ist letztlich unmöglich.

00:14:59: deswegen variiert ihr dann auch so bisschen die Strategie.

00:15:02: wie machen wir's also.

00:15:03: zuerst hieß es wird ein großes Reformpaket geben und der Koalitionsausschuss in der Villa Borsig krachend gescheitert.

00:15:14: Dann noch mit dem Streit zwischen Katharina Reiche und Lars Klingball an den Rente einer Koalitionskrise uns geführt, dann wurde gesagt naja wir machen das jetzt einzeln also Rente und Steuern und alles separat.

00:15:26: Und Frau Wagen hat ja mit der Gesundheit schon vorgelegt Jetzt laufen wir doch wieder auf eine Paketlösung zu weil natürlich alles mit allem zusammenhängt.

00:15:35: Wie die Rente reformiert wird, hat enorme Auswirkungen darauf wie die Haushaltsplanung aussieht.

00:15:40: Also wie viel Geld dann vielleicht noch für eine Steuerreform übrig ist?

00:15:44: Von daher ist es schon sinnvoll das alles zusammen zu machen.

00:15:47: aber es macht's halt wie du sagst nicht einfacher weil ja in diesen Sitzungen dann jeder immer wieder rausgeht rechnet sich bespricht mit anderen.

00:15:58: so können wir das vermitteln.

00:16:00: sowas bedeutet dass es wo können wir vielleicht noch mehr Druck aufbauen?

00:16:04: Dann werden ja auch zum Teil dann eigentlich sachfremde Dinge miteinander verkoppelt, die man dann auch noch klären will.

00:16:10: Also ja, dann wird das alles mit sehr vielen Themen und auch mit sehr viel Emotionen aufgeladen.

00:16:15: und ja... ...dann ist es am Ende natürlich auch die Show.

00:16:18: jeder hat gekämpft und versucht alles für sich rauszuholen was irgendwie geht aber es eben nicht nur Show sondern es ist tatsächlich ein sehr sehr CS Ring.

00:16:28: Ich habe es am Anfang gesagt, du bist beim G-Sieben-Gipfel.

00:16:30: Da geht's natürlich um Themen wie Ukraine, Iran aber... Das schwebt ja auch immer mit und auch der Kanzler wird hier angesprochen von seinen Kollegen, anderen Regierungschefs.

00:16:44: Was ist mit der Wirtschaft in Deutschland?

00:16:46: Wie läuft das in Sachen Reformen?

00:16:48: Und da sind natürlich viele Berater jetzt auch dabei in Frankreich.

00:16:51: Bekommt man da am Rande irgendwas mit wie weit sie sind?

00:16:55: und vor allem haben Sie Hoffnung oder ist es wieder so dass die denken was könnte jetzt in den nächsten Wochen wieder passieren?

00:17:04: Also erstmal vorab.

00:17:06: Die In-Politik hat jetzt tatsächlich in diesen drei Tagen hier ein Evian kaum eine Rolle gespielt, einfach weil er auch außenpolitisch durchaus was passiert ist.

00:17:14: Ich meine du besprichst das ständig in deinen Podcasts die... Im Stichwort Ukraine, Donald Trump ist jetzt hier zum ersten Mal seit Langem so aufgetreten.

00:17:23: Das Fußball-Tipot

00:17:24: müssen wir erwähnen, darüber haben wir vor Gast

00:17:26: noch

00:17:28: nicht

00:17:28: gesprochen.

00:17:28: Irgendjemand hat den Witz gemacht.

00:17:29: ich weiß nicht glaube Kollege Friedrich Schwillen von der Welt war das er getwittert hat.

00:17:36: Ich glaube, man hat ihm die Größe L geschenkt.

00:17:39: Kann das sein?

00:17:40: Das weiß ich nicht!

00:17:42: Vielleicht war es auch ein Witz aber im Sinne von dass Trump eigentlich sauer war, dass man die nicht noch viel kleinere T-Shirt Größe gefehlt hat.

00:17:53: Eine nette Szene, aber ich weiß nicht ob dieses T-Shirt jetzt ein Gamechanger war.

00:17:58: Immerhin war es nett dass die SIEMUNVIRZIG drauf steht und für den SIEMONVIRZZIGSTENPräsidenten der Vereinigten Staaten und nicht die Achtzig sein Geburtsdach, den er gerade gefeiert hat.

00:18:12: Aber ja... Es gab die Übergabe!

00:18:14: Er hat's kurz in die Kamera gehalten und das dann so'n bisschen beiseite geknült also....

00:18:18: Aber vielleicht die Frage, wie wichtig ist auch das diese und du bist da die Expertin?

00:18:24: Dass diese internationale Lage sich beruhigt also aus Wirtschaftspolitischer Sicht jetzt im Iran Straße von Hormuz.

00:18:33: Wie wichtig ist das für Reformen und für die deutsche Wirtschaft am Ende?

00:18:38: Das ist natürlich sehr wichtig weil dass uns in den vergangenen Monaten noch weiter nach unten gezogen hat.

00:18:46: eine zarte Wachstums-Flensline getrieben durch diese schuldenfinanzierten Pakete für die Verteidigung und für die Infrastruktur.

00:18:56: Das wurde ja dann quasi wieder erstickt, durch eben die Folgen des Irankrieges ist die gestiegenen Ölpreise, gestiegene Düngelmettepreise und was dazu geführt hat dass wir jetzt letztlich an der Nulllinie was das Wachström angeht herumgräbsen und nicht wie mal gehofft irgendwo zumindest bei ein Prozent.

00:19:15: In Amerika sind es immer noch zwei Prozent und mehr.

00:19:17: Aber es wäre ja schon mal ein Erfolg, wenn wir uns wieder die Eins vor dem Komma stünde.

00:19:23: Das kann natürlich jetzt sich bessern, wenn tatsächlich ... Die Ölpreise sind jetzt schon deutlich gefallen, wenn das so bleibt.

00:19:31: Es macht es wiederum auch einfacher dann Druck auf Russland auszuüben was die Ukraine betrifft weil Russland eben nicht mehr so viel durch seine Ölexporter einnehmen kann.

00:19:40: also von daher ist es schon wichtig aber Das hilft uns natürlich jetzt nicht zurück auf den Pfad des Aufschwungs.

00:19:48: Und das Problem ist im Moment, dass in Deutschland die Wirtschaft eigentlich nur noch wächst weil wir eben diese Schuldenpakete haben.

00:19:55: Es ist ja auch wichtig, dass die Infrastruktur modernisiert wird aber es ist eben auch sehr viel Geld was auch sehr viele Zinsen kostet die dann für andere Ausgaben eben nicht mehr zur Verfügung stehen.

00:20:05: Wir wachsen ein bisschen weil in diesem Jahr einige Feiertage auf einem Wochenende fallen uns heraus, durch die Innovationskraft der Wirtschaft und den Arbeitseinsatz.

00:20:16: Und so wachsen wir im Moment eben

00:20:18: nicht.".

00:20:19: Das ist ein Problem.

00:20:21: Man nennt das das sogenannte Potenzialwachstum also quasi das Wachstum was möglich ist wenn es jetzt keine externen Sondereffekte wie Schuldenpakete oder eben Konjunkturkrisen, Ölpreiskrisen oder sowas gibt.

00:20:33: Dieses Potenzialswachstums bewegen wir uns inzwischen unter viel zu wenig.

00:20:41: Und daran müssten wir quasi arbeiten, also wir müssten deutlich produktiver werden ja mehr Erwirtschaften mit unserem Arbeitseinsatz.

00:20:50: Wir müssen innovativer werden.

00:20:51: das war jetzt hier auch bei G-Sieben ein großes Thema.

00:20:55: KI die Amerikaner gerade die drei großen Platzhirsche dort.

00:21:01: Die haben einfach sehr starke Leistung, leistungsstarke Modelle in den vergangenen Jahren entwickelt.

00:21:06: da können die europäischen Konkurrenten, Mistral oder auch Black Forest Lab jetzt nicht mithalten oder andere die es ja auch schon mal versucht haben.

00:21:18: China ist da ebenfalls sehr stark.

00:21:20: also wir sind halt auch einfach technologisch in vielem zurückgefallen und da müssten mir eigentlich alle unsere Kräfte drauf ausrichten wieder stärker zu werden.

00:21:29: aber darüber diskutieren wir halt in der Politik tatsächlich im Moment sehr wenig.

00:21:33: Wir reden halt viel über Wie geht es weiter in der Rente?

00:21:36: Wie geht's weiter im Bereich Einkommenssteuer und so weiter.

00:21:41: Es gibt einen erbitterten Kampf um den acht Stunden Tag, den der DGB unbedingt verteidigen will aber über all das Bildung, Innovationen Forschung und Entwicklung.

00:21:51: wie bringen wir das was in Deutschland die Forschungsinstitute Gutes entwickeln?

00:21:55: also wie kriegen wir diese PS auf die Straße?

00:21:57: machen da Geschäftsmodelle daraus?

00:21:59: darüber wird aus meiner Sicht viel zu wenig geredet und das müsste eigentlich viel stärker am Zentrum der Politik stehen.

00:22:04: Dann lass uns darüber reden, wie werden wir produktiver, liebe Julia?

00:22:10: Ja unter anderem in dem wir Kain nutzen.

00:22:13: Also dass mehr Prozesse für die im Moment noch sehr viel Manpower erforderlich ist dann beschleunigen indem wir Technik intelligent einsetzen natürlich auch indem wir weiter einen Bereich Biotech forschen.

00:22:27: also da haben ja alle zu Corona Zeiten erlebt mit BioNTech und dem Corona-Instoff sehr gut geklappt hat, aber das müssten wir natürlich auch in anderen Bereichen noch ausbauen.

00:22:38: Die Industrie muss versuchen produktiver zu werden indem sie eben auch mehr auf den Einsatz von Roboter auf KI geht, Prozesse beschleunigt.

00:22:47: weil wenn man die Arbeitsbedingungen in Europa und speziell in Deutschland vergleicht, mit denen in anderen Ländern wie China oder Amerika dann ist es halt das Ergebnis dass dort mehr Stunden, dass sie Arbeitnehmer dort mehr stunden im Jahr arbeiten.

00:23:02: Dass es auch mehr technische Unterstützung gibt, dass die Unternehmen Kosten senken können, dass noch dazu die Energiepreise deutlich günstiger sind als bei uns.

00:23:10: also wir haben auf sehr vielen verschiedenen ebenen Ebenen aktuell Standortnachteile aufzuholen oder zumindest in einigen Bereichen unsere Wettbewerber heranzukommen, das müsste jetzt tatsächlich das Ziel sein.

00:23:26: Also aus deiner Sicht diskutieren wir da über die richtigen Dinge gerade und hörst du aus der Regierungskoalition dass da jetzt Sachen passieren von denen Du als Wirtschaftsexpertin sagen würdest ja das wird dann bedeuten, dass wir tatsächlich aufholen oder zerfleddern oder zerstreiten sie sich da grade wieder so, dass das ein bisschen aber auch nicht so richtig wird.

00:23:46: Das ganze Thema Forschung und Entwicklung steht momentan nicht im Zentrum der Politik, sondern jetzt müssen quasi erstmal die drängenden Reformbaustellen soziale Sicherungssysteme und Einkommenssteuereformen gelöst werden.

00:23:59: Und ich finde es ganz wohltuend wie ruhig ist jetzt diese Woche war also dass wir jetzt hier auch nicht jeden Tag wieder einen Schnitzel aus der Koalition wer fordert was, wer schließt was aus gehört haben dass es offenbar schon den Willen gerade gibt zwischen Union und SPD, das Ding nicht an die Wand zu fahren.

00:24:20: Sondern sich auf Reformen zu einigen.

00:24:25: im Bereich der Rente wird es darauf hinauslaufen, dass das Renteneintrittsalter in irgendeiner Form an die Lebenserwartung angepasst werden wird.

00:24:34: Ich glaube nicht, dass die sowohl trächtige Zahl – siebzig Jahre Da drin stehen wird in den Vorschlägen der Kommission, aber es wird irgendwie steigen müssen.

00:24:42: Die Anreize zur Frührente werden sinken müssen.

00:24:46: bei der Einkommenssteuerreform geht's eben darum ja möglichst die Mitte zu entlasten was auch dann auch heißt dass wahrscheinlich an der Spitze eine Belastung etwas steigen wird.

00:24:56: Aber das ist jetzt so ruhig.

00:24:58: Es deute ich jetzt mal so dass es tatsächlich den Willen gibt das nicht platzen zu lassen und zu sagen Wir kriegen das einfach nicht hin, sondern dass da noch die Hoffnung ist.

00:25:11: Ich habe sie auch, dass da tatsächlich Anfang Juli oder vorbegehende Sommerpause wird wissen ja nicht wie lange es dann tatsächlich dauern wird, dass ein Paket kommt was zumindest in die richtige Richtung geht und das wäre tatsächlich jetzt für die Wirtschaft und für die Unternehmen, die durchaus auch ein bisschen Geld auf der hohen Kante haben aber es halt gerade nicht investieren wäre das ein wichtiges Signal nach dem Motto okay dieses Land ist noch handlungsfähig.

00:25:35: Es ist möglich, Dinge so zu verändern dass wir eben ein paar Jahre finanziell besser dastehen und wieder stärker wachsen.

00:25:44: Aber ja die vergangenen Monate haben auch gelernt, dass man jetzt vorsichtig sein sollte mit so einem Optimismus.

00:25:52: Du

00:25:52: hast Rente angesprochen oder Steuern angesprochen was sonst erwartest du?

00:25:57: Und vor allem vielleicht noch kurz die Frage bei Steueren in welche Richtung könnte das gehen?

00:26:02: am Ende?

00:26:04: Es gibt ja jetzt schon verschiedene Konzepte, die so diskutiert werden.

00:26:10: Aktuell ist es ja so dass wir einen Spitzensteuersatz von forty-two Prozent haben der bei einem zu versteuernden Einkommen von knapp siebzigtausend Euro im Jahr greift.

00:26:21: vielleicht ein wichtiger Hinweis für die Hörer das ist nicht das Bruttoeinkommen sondern das zu versteuernene Einkommen ist niedriger, also da werden dann schon soziale Versicherungsbeiträge und Ähnliches abgezogen.

00:26:32: Also das entspricht so ungefähr brutto sechsen achtzigtausend Euro.

00:26:35: Da greife aktuell der Spitzensteuersatz und es in Gespräch quasi den Satz zu erhöhen vielleicht auf forty-vier, vielleicht auf viertzig Prozent aber auch die Grenze zu erhöht ab der dieser spitzen Steuersatztanfällig wird.

00:26:48: Und das gleiche gilt für den sogenannten reichen Steuerschatz.

00:26:51: Der greift ja im Moment bei knapp zweihundert achtzig tausend euro beträgt forty-fünf Prozent.

00:26:57: Auch da könnte er steigen, vielleicht sinkt tatsächlich die Einkommensgrenze ein bisschen.

00:27:02: also dass er schon früher greift das wird im Moment so besprochen.

00:27:06: Die SPD hat ja recht klar das Ziel ausgegeben, dass für die Mitte der Gesellschaft so pimal Daumen einer Entlastung von fünfhundert Euro im Jahr drin sein sollte durch diese Einkommensteuerreform.

00:27:18: aber es ist auch klar dafür ist ein höhere zweistelliger Milliardenbetrag auf jeden Fall zehn eher Richtung zwanzig Milliarden Euro nötig, um das zu finanzieren.

00:27:30: und wie das geschehen soll.

00:27:33: Das ist halt im Moment noch unklar.

00:27:34: also Subventionsabbau ist immer ein Schlagwort was dann genannt wird.

00:27:38: aber auf der anderen Seite die ganzen Erleichterungen jetzt beim Thema Energiekosten, die will die Regierung ja auch nicht zurücknehmen.

00:27:44: zum Teil kann sie sich auch gar nicht zurück nehmen weil sie schon versprochen sind oder schon gesetzlich verankert sind.

00:27:50: Also dass es alles relativ Ja, im Detail jetzt nicht vorher zu sagen was da genau dann kommen wird und vor allem wie es finanziert werden wird.

00:27:59: Aber ich glaube von dem Ziel zu sagen Es wird eine Einkommenssteuerreform geben und möglichst viele Menschen müssen eine Entlastung spüren Das muss die Koalition schon erfüllen weil das Versprechen hat sie schon ja quasi so zementiert, so schriftlich festgehalten.

00:28:15: zum ersten ersten, siebenundzwanzig kommt diese Steuerreform Da kann sie nicht mehr dahinter zurückfallen.

00:28:22: Auch nur mal der Hinweis, wir reden im Moment sehr viel über Einkommenssteuer.

00:28:26: Jetzt gerade im Bereich der mittleren Einkommen ist gar nicht so sehr die Steuerlast das Thema sondern eben die Sozialversicherungsabgaben, die da auch einhören.

00:28:35: also wenn man mittlere Einkommen ungefähr viertausend fünfhundert Euro brutto im Monat dazahlt man PimalDom sechsohnundfünfzig Euro Lohnsteuer aber knapp tausend Euro Sozialversicherung abgaben Rente gesundheit Pflege Arbeitslosenversicherung und so weiter.

00:28:50: Also dass Eigentlich müsste der Fokus mehr auf die Sozialversicherungsabgaben gehen und nicht so sehr auf die Steuern.

00:28:56: Das hattest du ja auch schon gesagt, dass du erwartest das im Bereich, also zumindest in dem einen Bereich Gesundheit noch was passieren würde?

00:29:04: Genau richtig!

00:29:05: Wobei es da halt jetzt nicht so ist, dass wir auf eine baldige Beitragssenkung hoffen können, sondern dass sich eher in den vergangenen Tagen noch herausgestellt hat, dass die Lücken noch größer sind, also dass das, was Nina Wagner als vorgestellt hatte um die Beiträge zu... stabilisieren, das ist ja inzwischen schon ein Erfolg wenn sie nicht weiter steigen.

00:29:24: Dass das nicht ausreicht also dass es halt auch gerade so bisschen die Crux an dieser ganzen Reformdebatte eine spürbare Entlastung davon sind wir halt wirklich weit entfernt.

00:29:37: Also selbst wenn die in der Einkommenssteuer kommt Die Rentenversicherungsbeiträge hat gerade die deutsche Renten Versicherung vorgerechnet werden recht schnell oder schneller als erwartet steigen müssen, wenn der Bundeszuschuss aus dem Haushalt sinkt.

00:29:51: Weil halt das klingt all Finanznöte im Haushalt hat.

00:29:55: Beim Thema Gesundheit eben im Moment reden wir vor allem darüber wie man die Beiträge stabilisieren kann.

00:30:00: von der Beitragssenkung reden wir ja gar nicht mehr.

00:30:02: und dass ist halt auch das Bedauerliche, dass wir da halt so einer Schleife feststecken, dass wahrscheinlich was auch immer dann da Anfang Juli beschlossen wird jetzt nicht die große Masse im Land sagen kann, ja ich sehe.

00:30:17: Ich werde deutlich entlastet und habe mehr Geld was ich selbst anlegen kann oder ausgeben

00:30:22: kann.".

00:30:23: Aber auch dieses Bild das die Koalition da und unten vielleicht auch in dem Medien ist, dass es eben diese Entlastung geben soll und der Fokus auf Entlastungen.

00:30:36: Und gleichzeitig gibt es ja die Debatte, dass es Zumutungen geben wird.

00:30:40: Wie passt das eigentlich zusammen?

00:30:42: Also auch psychologisch so richtig irgendwie nicht oder?

00:30:46: Nee, es passt eigentlich nicht zusammen!

00:30:49: Es wird an einer Stelle Entlastung geben aber an der anderen Stelle wird es Zumutationen geben und das betrifft eigentlich fast jeden.

00:30:56: also in der gesetzlichen Krankenversicherung werden Leistungen gestrichen oft aus gutem Grund.

00:31:03: Die Kommission hat das ja auch gut begründet was sie da geraten hat, welche Leistungen da verzichtbar sind.

00:31:09: Aber man wird sich einschränken müssen und anpassen müssen, wenn künftig jeder erst mal zum Hausarzt gehen muss bevor er nach belieben Fachärzte aufsuchen kann.

00:31:21: Der Erfolg ist, dass die Beiträge nicht steigen.

00:31:23: Nimmst du das als Entlastung wahr?

00:31:24: Wahrscheinlich eher nicht!

00:31:27: Wenn jetzt dann am Ende deine Einkommenssteuer um Jahr um vierhundert oder fünfhundert Euro sinkt... ist es vielleicht auch eine Entlastung, wenn aber die Rentnerversicherungsbeiträge steigen.

00:31:37: Ist dann noch keine Entlastungen mehr?

00:31:39: Also das ist... Deswegen ist, glaube ich, noch nie war gute Kommunikation so wichtig wie in der aktuellen Phase und leider haben wir aber eine Regierung, in der niemand gut kommunizieren kann.

00:31:54: Also Friedrich Merz kann es nicht, Lars Klingbeil kann das nicht, Werbel Baus kann es.

00:32:02: Das ist einfach ein großes Problem.

00:32:05: Ich habe Robert Habecks Politiker als Wirtschaftsminister in der vergangenen Legislaturperiode sehr kritisiert, weil ich inhaltlich mit vielem nicht einverstanden hier war.

00:32:12: Aber das was er quasi wie erklärt hat warum bestimmte Dinge jetzt nötig sind und warum es vielleicht erstmal nicht angenehm ist auch für seine eigene Partei aber warum das trotzdem wichtig ist konnte er schon ganz gut und ein Stück weit fehlt gerade so jemand in der Koalition der das macht.

00:32:31: Und ja.

00:32:32: Die eine Frage, Julia ist wie kommt es bei uns an?

00:32:35: Also wie fühlen wir das?

00:32:36: Entlastung nicht entlastungen was passiert bei Steuern Rente, wobei du gerade geredet hast und das andere ist eben inwieweit hilft es wirklich dass diese Wirtschaft wieder zum Laufen kommen?

00:32:47: ich war in diesen Tagen mit einem ehemaligen Politiker einen Kaffee trinken der mir berichtete von Treffen die er wirklich mit der Großindustrie hatte also mit Autobossen anderen in der deutschen Industrie und er sagte, er ist da eigentlich hingefahren.

00:33:02: Er gesagt hat okay ja wenn wir jetzt diese Reformen packen dann kriegen wir das hin zumindest in bestimmten Bereichen also Luxus zum Beispiel bei Autos.

00:33:11: Ja dass es da Segmente gibt die immer noch sehr gut funktionieren.

00:33:15: Und er sagt er ist das sehr desillusioniert bis frustriert rausgekommen.

00:33:21: Dass da ihm viele gesagt haben ja Also ja die Reform sind wichtig aber das wird eben nicht zu dem führen was wir zum Beispiel nach der Agenda-Zwanzigzehn erlebt haben, weil das gesamte Modell Deutschland so nicht mehr funktioniert.

00:33:34: Ist das zu dunkel?

00:33:36: Zu pessimistisch beschrieben?

00:33:38: oder haben diejenigen, die ihm das erzählt haben Punkt

00:33:42: Als die Agenda-Zwanzigzehn eingeführt wurde, war es jetzt ja nicht so, dass das ganze Land gesagt hat, juhu und welch genialer Reform.

00:33:49: Und das bringt uns jetzt perspektivisch voran, sondern es gab große Proteste.

00:33:55: schon damals hat die Wirtschaft gesagt, das reicht alles nicht und die Gewerkschaften sind alles viel zu schlimm und geht überhaupt nicht.

00:34:04: Es dauerte zehn, zwanzig Jahre bis sich sowas dann auszahlt.

00:34:08: Angela Merkel hat davon unglaublich profitiert!

00:34:11: Also sie hat dann die Früchte der Politik von Gerhard Schröder geerntet.

00:34:14: Und das kann auch gut so sein, dass es jetzt wieder so ist, dass ein späterer Kanzler oder eine spätere Kanzlerin diese Früche der Politik vom Friedrich Merz ernten wird.

00:34:25: Wir stehen natürlich insofern heute schlechter da als damals weil das Geschäftsmodell der Bundesrepublik Deutschland so nicht mehr funktioniert.

00:34:33: also es bestand daraus Supertolle Produkte bauen mit tollen Ingenieuren und die ganze Welt reißt sie uns aus den Händen, insbesondere China.

00:34:43: Das ist heute nicht mehr so in denen Zukunftstechnologien sind, die Chinesenfond oder die Amerikaner und die Europäer sind weitgehend abgehängt.

00:34:53: Der zweite Faktor ist eben Energiepreise.

00:34:56: wir haben sehr lange von dem günstigen Gas aus Russland profitiert.

00:34:59: das ist jetzt weg.

00:35:00: Wir kaufen jetzt teugosflüssig Gas aus Amerika oder aus den anderen Osten wird bauen für sehr viel Geld Gastkraftwerke, die uns in Wind und Sonnenabendzeiten dann die Stromversorgung sichern sollen.

00:35:13: Also da haben wir aus meiner Sicht Fehler in der Vergangenheit gemacht, die sich schwer korrigieren lassen oder nur sehr teuer korrigierend lassen und da müssen wir jetzt durch und versuchen irgendwie das Beste draus zu machen.

00:35:23: also das sind schon schwierigere Voraussetzungen.

00:35:26: und natürlich ist die Welt mit Donald Trump Skijimping quasi mit dem Kampf zweier Großmächte um den Titel, wer ist die größte Volkswirtschaft der Welt und wer ist politisch Einflussreichste?

00:35:40: Sind wir da natürlich jetzt als Europa so gewissermaßen ein Spielball geworden.

00:35:44: Und das kratzt natürlich am deutschen Selbstverständnis wie beim Mangezeit unglaublich selbstbewusst.

00:35:50: ja, wie toll das hier alles läuft in der Industrie aber auch in der öffentlichen Verwaltung

00:35:56: usw.,

00:35:56: also dass hat sich ja in den vergangenen Jahren alles doch deutlich geändert.

00:36:01: Von daher sind die Ausgangsvoraussetzungen für das Aufholen schwieriger!

00:36:05: als damals.

00:36:06: Das ist in der Tat so.

00:36:07: Und wie kriegen wir es denn hin, dass wir wieder etwas erfinden und sagen Mensch das ist jetzt unsere Zukunftsindustrie?

00:36:15: Da müssen wir hin auch dieser Erzählung.

00:36:17: Du hast Kommunikation angesprochen.

00:36:19: Auch das kritisieren viele die sagen Wir wissen gar nicht was das Ziel ist.

00:36:24: diese Regierung also was wollen sie erreichen?

00:36:26: gut Jetzt kann man über günstigere Arbeitskosten sprechen Steuerveränderungen usw.

00:36:31: Aber das große Ziel wo will eigentlich Deutschland hin?

00:36:35: Wo stehen wir in zehn, zwanzig, dreißig Jahren?

00:36:37: Dass das nicht gegeben wird.

00:36:40: Ja die Lösung ist Forschung an der Entwicklung Bildung, Bildung und Bildung.

00:36:45: Also in die Köpfe investieren.

00:36:49: Die Technologien von morgen sind ja bei Brun großteils... auf digitalen Voraussetzungen, also wir müssen quasi diesen Bereichen KI, Quanten Computing, Biotech.

00:37:02: Also all diese Zukunftstechnologien da müssen wir deutlich stärker werden.

00:37:07: und passiert das

00:37:08: gerade oder wird das völlig irgendwie beiseite?

00:37:11: Naja es passiert schon aber ich meine die Regierung hat im letzten Jahr eine Hightech-Agenda auf den Weg gebracht.

00:37:20: Die Veranstaltung, auf der sie sich vorgestellt hat im Berliner Gasometer war wirklich sprichwörtlich oder sinnbildlich für unsere Probleme.

00:37:29: Weil die Organisatoren schon darin scheiterten quasi uns allen die Einlasskarten namensschilder so auszugeben dass wir rechtzeitig zu der Veranstaltung drin sind.

00:37:41: also da wurden händisch Namenslisten abgehakt statt mit irgendwelchen QR-Codes zu arbeiten wie man das vielleicht auch hätte machen können.

00:37:50: Also, das war wirklich so ein ... wir Journalisten-Standard haben uns das fassungslos angeschaut und dachten, es ist so schade weil es eigentlich dann ganz viele Unternehmen ausgestellt, ihre Innovationen... Und die Leute standen vor dem Gasometer, weil Namenslisten abgehakt werden mussten.

00:38:06: Ja also von daher ich glaube, da ist schon sehr viel Potenzial da und ich treffe zumindest jetzt bei Reisen oder jetzt auch bei Veranstaltungen in Berlin viele Unternehmer, die oder auch Gründer, die wirklich Lust darauf haben hier was zu machen und die auch kluge Ideen haben.

00:38:23: Aber natürlich auch viele, die halt sagen, naja ich schau mir schon an wie die Rahmenbedingungen hier sind und ob ich nicht vielleicht doch nach Frankreich gehe wo Emmanuel Macron das große Start-up Ruder schwingt?

00:38:35: Oder ob ich mich direkt

00:38:37: nach Amerika

00:38:39: gehe?

00:38:40: Na ja es ist... Wirtschaftlich geht es Ihnen jetzt auch nicht so viel besser.

00:38:44: Sie wachsen ein bisschen stärker, aber sie sind noch deutlich höher verschuldet.

00:38:47: und gut die politische Lage ist ja noch schwieriger als bei uns.

00:38:52: Aber ich würde schon sagen dass Emmanuel Macron einen größeren Fokus darauf legt.

00:38:58: quasi was sind die Quellen des künftigen Wachstums?

00:39:02: Er ist sehr stark der Treiber der technologischen Souveränität Europas.

00:39:07: Es gibt ein KI-Start administral ein französisches, das gilt so als der einzige nennenswerte Wettbewerber zu den amerikanischen und chinesischen Platzhirschen.

00:39:18: Und das wird schon in Frankreich sehr stark auch politisch unterstützt – vielleicht ein bisschen mehr als in Deutschland.

00:39:26: Da haben wir uns vielleicht auch in der Vergangenheit zurückgelehnt, vielleicht auch zu sehr auf die Vertreter der großen Industrieunternehmen gehört.

00:39:33: Das glaube da könnte man schon noch etwas mehr machen, als das aktuell geschehen ist.

00:39:39: Aber Ja, wie gesagt mein Votum wäre wirklich sehr stark auf diesen ganzen Bereich Forschung und Entwicklung, Bildung.

00:39:47: Und ja das Fördern von Innovationen und nicht das Subventionieren bestehender Geschäftsmodelle zu gehen.

00:39:55: Das ist so ein bisschen unser Grundproblem.

00:39:58: In Deutschland gibt es enorme Beharrungskräfte also das was ist zu bewahren und sehr viele Kritiker die sagen dass das was neue entstehen könnte dass wir davon besser die Finger lassen sollten.

00:40:11: Diese Grundhaltung, diese Mentalität ist nicht nur eine Aufgabe der Politik und der Unternehmen sondern auch von uns allen.

00:40:18: da müssten wir echt

00:40:19: ran Julia Löhr, ein ganz wichtiger Appell.

00:40:22: Vielen Dank für deine Analyse der Lage und deine Sachkenntnis!

00:40:27: Ich kann nochmal deinen Podcast empfehlen den wir hier in den Schoennot verlinken.

00:40:33: du erklärst Wirtschaftspolitik so dass sogar ich sie verstehe.

00:40:37: Danke dir sehr Für deine Ausführung und alles Liebe und vor allem guten Rückflug aus Evian, vom G-Sieben-Gipfel.

00:40:46: Danke!

00:40:47: Und dass ihr noch ein paar Insights vom Kanzler bekommt.

00:40:52: und natürlich berichten wir hier im Podcast auch in den nächsten Wochen und Tagen und Monaten und wahrscheinlich auch Jahren weiter über diese Reformen.

00:41:01: Ich bedanke mich sehr für deine Zeit, Julia.

00:41:03: Sehr

00:41:04: gerne Paul Tschüss

00:41:06: Danke, dass ihr wieder zugehört habt.

00:41:08: Vielen Dank auch für das viele Feedback auf ronsheimer.tv.

00:41:12: Da findet ihr auch alle meine Social Media Accounts wo Ihr mich persönlich kontaktieren könnt.

00:41:18: Das glauben manchmal die Leute gar nicht aber ich schauen wir die Kommentare tatsächlich selbst an und ich bitte darum lasst weiter Likes da bei Spotify Apple wo immer ihr den Podcast hört Bei YouTube natürlich wo ihr dem podcast auch sehen könnt Und ich freue mich, wenn ihr uns abonniert

00:41:38: und das

00:41:39: hilft uns wirklich sehr.

00:41:41: Ich bedanke mich natürlich in erster Linie bei meinem großartigen Team, bei Philipp Jatoff in der Redaktion, bei Liven Jenrich in der Produktion und natürlich an meinen Producer Daniel van Moll!

00:41:55: Herzlichen Dank und alles Liebe!

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